«Beim Tiefbau haben wir einen Investitionsstau von drei Mio CHF»

Avatar of SP OstermundigenSP Ostermundigen - 02. Juli 2020 - Lokal

Das Velo boomt, Stichwort e-bike. Und während des Corona-Lockdowns sind noch mehr Leute Velo gefahren. Obwohl die SP sich seit Jahren fürs Velo stark macht – im Juni mit einem politischen Vorstoss und der Crowd-Dokumentation von 30 Velohürden – erachten viele das Velonetz als ungenügend. Bei der Finanzierung würden die Mitteparteien jeweils zurückkrebsen und die Mehrheiten wegbrechen, erklärt der zuständige SP-Gemeinderat Andreas Thomann im Interview.

Welchen Stellenwert hat das Velo in Ostermundigen?

Andreas Thomann: Diese Frage ist für mich dreigeteilt: welchen Stellenwert hat das Velo für die Politik, die Verwaltung oder für mich persönlich? Fangen wir beim Geld, also der Politik an. Wenn es um Lippenbekenntnisse geht, finden wir immer wieder Mehrheiten in den zuständigen Gremien, die die Wichtigkeit des Velos zelebrieren. Sobald es aber um die Umsetzung, also die Finanzierung geht, sind die Mehrheiten weg und die SP, die sich seit Jahren für ein besseres Velonetz einsetzt, wird von den Mitteparteien inkl. der Grünliberalen im Stich gelassen. Geld für Investitionen wurde in den letzten Jahren jeweils im Rahmen der vom Parlament geforderten Sparübungen beim Tiefbau immer wieder zurückgestellt. Der Investitionsstau beträgt beim Tiefbau inzwischen ca. 3 Mio. Franken (Velomassnahmen inbegriffen). Die Verwaltung muss und kann nur umsetzen, was ihr die Politik vorgibt.

Mein Velo steht noch im Keller. Ich bin früher per Velo arbeiten gegangen – das habe ich aber schon lange aufgegeben, weil es mir während der Rush-Hour auf der Bernstrasse zu gefährlich ist.

Wie soll das Velonetz verbessert werden?

Das konkreteste Projekt, mit Baubeginn im August dieses Jahres, ist die Neugestaltung der Bolligenstrasse. In Zusammenarbeit mit dem Kanton und der Stadt Bern bauen wir dort nebst dem Strassenbereich neue Velowege, und zwar auch E-Bike taugliche mit 2 Meter Breite. Diese Anpassung auf 2 Meter habe ich nachträglich noch eingebracht und erstaunlicherweise hat der GGR diesen Zusatzkredit bewilligt.

Was schon geplant, noch nicht umgesetzt, aber bereits bezahlt ist, ist die Sanierung der Bernstrasse im Rahmen des Baus des Trams Bern Ostermundigen. Da kommt endlich auch durchgehend ein Velostreifen beidseitig der Strasse für diejenigen Velofahrenden, die diese benutzen müssen.

Ansonsten sind Velostrecken innerhalb der Quartiere, aber auch an die Peripherie in Planung. Stichwort Velohauptachsen Bern-Ostermundigen, Ostermundigen-Ittigen im Rahmen des Anschlusses Untere Zollgasse-Kreuzweg. Ostermundigen-Gümligen kommt noch dazu und drängt sich anhand der letztjährigen Resultate der Verkehrszählung auch auf. Zusätzlich stehen an dieser Strecke eine Schulanlage und im Sommer noch das Freibad.

Wie schnell sind Fortschritte möglich? Schliesslich wurden schon vor Jahren viele Schwachstellen im Velonetz aufgedeckt, die meisten gibt es heute noch.

Die Probleme auf der Hauptachse Bernstrasse wären (nicht nur) fürs Velo längst gelöst, wenn sich die Umsetzung des Trams nicht so lange verzögert hätte. Bei grösseren Umgestaltungsmassnahmen, also inkl. der Velorouten, dauert es meiner Meinung nach extrem lange. Planung, Gesetze, der politische Prozess mit den unterschiedlichen Hürden (inkl. Einsprachen) bis hin zur Finanzierung und der Bauzeit. Wichtig sind aber die politischen Mehrheiten, die sich nicht einfach so ergeben, sondern erkämpft und geschaffen werden müssen. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger von Ostermundigen haben ja diesen Herbst – so Corona will – wieder die Möglichkeit, bei den Gemeindewahlen korrigierend einzuwirken und «Taten statt Worte» zu wählen.

Auch kurzfristig gibt es Handlungsbedarf. Wegen der Corona-Pandemie meiden viele den öV. Was unternimmt die Gemeinde, damit die EinwohnerInnen eher aufs Velo als aufs Auto umsatteln?

Dank dem jahrelangen Einsatz der SP für den ÖV in Ostermundigen gibt es heute ein vielfältiges Angebot, welches (trotz Corona) rege genutzt wird. Ich habe nicht den Eindruck, dass der ÖV hier gemieden wird.

Kurzfristig kann kaum eine Massnahme z.B. bei einem ganzen Strassenzug erfolgen, hingegen sehe ich bei lokalen Schwachstellen eher Chancen. Hier empfehle ich, den Kontakt mit der Verwaltung und den politisch Verantwortlichen nicht zu scheuen. Diese können besser und rascher klären, wer für was zuständig ist und auch was eventuell rasch umgesetzt werden kann. Anschliessend, falls nötig, soll man zusätzlich die Bevölkerung ins Boot holen. Genau dies hat die SP Ostermundigen nun gemacht; die Bevölkerung hat rund 30 Schwachstellen gemeldet, herzlichen Dank!

Das Interview führte Marcel Falk, SP Ostermundigen.

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